Geschichte

Das Martineum – von 1907 bis heute

 

Waren das Zeiten: Als "Evangelisches Brüderseminar zur Ausbildung von Jugendpflegern und Gemeindehelfern wurde das Martineum am 10. November 1907, dem Geburtstag Martin Luthers, in einem Wittener Gemeindehaus gegründet. Die ersten auszubildenden Brüder sollten nach den Vorstellungen des ersten Direktors des Martineums, Pastor Wolf, eine Kampftruppe gegen Freidenker und Sozialdemokraten sein. Hintergrund waren die Folgen der industriellen Revolution mit dem Aufschwung des Ruhrgebiets durch Kohle und Stahl. Der übermäßige Bedarf an Arbeitskräften in der wachsenden Industrie sorgte für einen steten Anstieg der Bevölkerungszahlen und damit auch für zahlreiche soziale Probleme. Davon waren auch die Kirchengemeinden betroffen. Bereits 1890 fasste die Westfälische Provinzialsynode einen Beschluss, eine Anstalt zu gründen, in welcher Gemeindehelfer ausgebildet werden sollten. Doch dieser Beschluss wurde zunächst nicht umgesetzt. Erst die Folgen des großen Ruhrbergarbeiterstreiks 1904/05 führte dazu, diese Anstalt nun endlich auf den Weg zu bringen.

In diesem Jahr blickt die Martineumsgemeinschaft nun auf 111 Jahre abwechslungsreiche Geschichte zurück. Eine Geschichte, die die Martineumsgeschwister (bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts lediglich Martineumsbrüder!) von der Wittener Brüderstraße zunächst in die Wideystraße führte, wo 1911 das erste eigene Brüderhaus entstand. Der Bau dieses Hauses war sehr schnell notwendig geworden, um die Ausbildungsarbeit des Brüderseminars sachgemäß durchführen zu können. Im ersten eigenen Brüderhaus ist heute das gemeinsame Kreiskirchenamt der Kirchenkreise Hagen, Hattingen-Witten und Schwelm untergebracht.

Nachdem jedoch der Erste Weltkrieg die Ausbildung zum Erliegen brachte, zog das Martineum 1920 nach Volmarstein und wurde dort zur "Evangelischen Brüderanstalt Martineum. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs  wurde 1946 aus der "Brüderanstalt dann die "Evangelische Diakonenanstalt Martineum. 1958 zogen die Volmarsteiner Brüder endlich wieder in ihr eigenes Haus in der Von-der-Recke-Straße an der Einfahrt in die heutige Evangelische Stiftung Volmarstein. Die Entwicklungen der neuen Bundesrepublik Deutschland und Veränderungen in der Ausbildung von Diakonen führten dazu, dass das Martineum 1972 wieder zurückkehrte nach Witten. Seitdem hat es im Diakoniewerk Ruhr an der Pferdebachstraße sein Zuhause. 

2003 musste sich das Martineum von der klassischen Diakonenausbildung verabschieden und unterhält seitdem eine enge Kooperation mit der Evangelischen Fachochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum (jetzt: Evangelische Hochschule). Der neue Name des Martineums lautet seitdem "Gemeinschaft evangelischer Diakoninnen und Diakone und Bildungsstätte für Kirche und Diakonie . Gerade in den letzten Jahren mit den vielen, teils schmerzhaften Veränderungen hat sich bewiesen, dass das Martineum über viele kreative und engagierte Schwestern und Brüder verfügt, dass man um die Zukunft der Gemeinschaft nicht bangen muss, so dass wir nun im November sowohl den Blick nach zurück als auch den Blick in die Zukunft wagen können. Das Jahrestreffen anlässlich des 111. Geburtstags des Martineums steht unter der Überschrift "Wo gehen wir hin?  Wo kommen wir her?. (Jörg Bielau anl. des 111.ten Geburtstagss im Jahr 2018)

Überblick

1907 – Am 10.11. Gründung des evangelischen Brüderseminars Martineum in Witten zur Ausbildung von Gemeindehelfern und Jugendpflegern.

1920 – Umzug von der Wideystraße in Witten nach Volmarstein in die Orthopädischen Anstalten.

1949
 – Der erste theologische Kurs nach dem Krieg dauert 18 Monate. Im Frühjahr und im Herbst findet je eine Bezirkskonferenz statt. Ebenso eine Rüstzeit.

1950
 – Der Wunsch nach einem Gesetz über das Amt des Diakons wird laut. Dieses wird auf der Landessynode im Oktober in Bethel beschlossen. Die Kirchenleitung wird gebeten, einen Stellenplan für männliche Diakone auszuarbeiten.

1951
 Es werden 8 Brüder eingesegnet. Für die Ehefrauen und Bräute wird ein Treffen veranstaltet, um sie mehr in die Gemeinschaft einzubinden. Der Wunsch nach einem geeigneten Haus wird wieder aktuell.

1952
 – Immer neue Dienstbereiche eröffnen sich den Diakonen, die wachsende Zahl der eingetretenen Diakone fordert einen Entwicklungsfortschritt; so wird ein eigenes Brüderhaus immer dringender erforderlich.

1953
 – Diakone werden Prediger, die Kirchenleitung setzt großes Vertrauen in die Diakonen-Anstalten; hinzu kommt ein Wachstum der Gemeinden, besonders in Industriegebieten.

1954
 – Neubaupläne reifen, es zeichnet sich eine positive Entwicklung bei der Finanzierung ab.

1955
 – Das Martineum ist ein eingetragener Verein.

1956
 – Über 100 Mitglieder, Beginn des Neubaus in Volmarstein.

1957
 – Grundsteinlegung unter dem Motto: „Wer keinen Schritt wagt, fällt nicht. Er kommt aber auch nicht vorwärts.“ Am 8.Oktober 1957 wird das Richtfest gefeiert; im September 1958 erfolgt die Einweihung (seit Kriegsende begannen 97 Männer die Ausbildung im Martineum).

1958
 – Am 14. September erfolgt die Schlüsselübergabe durch Präses Wilm an den Brüderhausvorsteher Pfarrer Effey. In der Ausbildung sind derzeit 50 junge Männer, einschließlich der diakonischen Helfer.

1959
 – Ein Wechsel erfolgt in der Leitung. Pfarrer Chr. Theurer wird am 19. November als Nachfolger von Pfr. Effey in sein Amt eingeführt; ein Diakon geht nach Venezuela und leitet in Caracas zusammen mit seiner Frau ein Internat.

1972
 – Umzug des Martineums nach Witten; Pastor Theurer kehrt mit der Brüderschaft und der Diakonenschule in die Gründungsheimat Witten zurück. Sein Leitsatz: „Wir gehören zusammen durch Beten, Helfen und Weben“.

1973
 – Der erste Grundkurs aus Witten findet in Volmarstein statt; zur gleichen Zeit wird der erste TOK (Theologischer Oberkurs) unterrichtet – mit nur einem Bruder.

1975
 – Es wird eine neue Satzung und Bruderschaftsordnung erstellt.

1977
 – Erstmals werden Frauen in das Amt des Diakons (nun: der Diakonin) eingesegnet; das Lukaszentrum in Witten wird eingeweiht.

1984
 – Die Bruderschaft Martineum hat 230 Mitglieder und 115 Studierende (1959 waren es 84 Mitglieder und 41 Studierende).

1987
 – Es erfolgt eine Satzungsänderung; aus der Bruderschaft wird die Martineumsgemeinschaft.

1990
 – Pfarrer Gerd Sauer unterrichtet seinen letzten TOK.

1999 – Umzug des Martineums in die ehemalige Pflegevorschule (Gertrud-Bäumer-Haus).

2001
 – Das Martineum verabschiedet eine neue Vereinsstruktur mit neuer Satzung.

2003
 – Die grundständige Ausbildung zum Diakon/zur Diakonin wird künftig an der EFH Rheinland-Westfalen-Lippe stattfinden. Ein Kooperationsvertrag wird unterzeichnet.

2004
 – Erstmalig im Wintersemester tritt die Vereinbarung in Kraft, das Martineum ist von nun an durch Lehraufträge sowie eine qualifizierte Ausbildungsbegleitung beteiligt.

2008
 – Umzug zurück in die Räume des Mutterhauses.